Menschenbild und Ethik - Archiv
Herbsttagung 2007: Mensch-Bild-Menschenbild
Anthropologie und Ethik in Ost-West-Perspektive
Tagung des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover
am 13. Oktober 2007
im Joseph Joachim-Saal der Stiftung Niedersachsen, Hannover
Kulturen der Anerkennung - Schatten der Differenz
Das Projekt „Kulturen der Anerkennung“ wurde 2001 auf Initiative von Wolfgang Vögele und Jörn Rüsen gegründet. In ihr schlossen sich fünf Institutionen zusammen:
- Evangelische Akademie Loccum
- Forschungsinstitut für Philosophie Hannover
- Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg
- Institut für Politische Wissenschaften der Universität Hannover
- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
Kritik einer Moral aus Vernunft in deutsch-russischen Reflexionen
Im Fokus des Projekts von Dr. Ekaterina Poljakova steht die Auseinandersetzung des russischen und des westeuropäischen Denkens auf dem Gipfelpunkt des Umorientierens der europäischen Philosophie, in der Kritik einer Moral aus Vernunft. Das Ziel des Projekts ist, die Fremdheit Russlands für Westeuropa, die tief in das Denken hineinreicht, darzustellen und die Differenzen des Denkens als philosophisches Problem wissenschaftlich grundlegend zu erschließen. Diese Fragestellung muss die Verschiedenheit zweier philosophischen Perspektiven aufzeigen: der sokratisch-kantischen Philosophie einer Moral aus Vernunft, sowie ihrer Kritik bei Nietzsche einerseits, und der mystisch-religiösen Form des russischen Philosophierens andererseits.
Gestaltungspotentiale der Zivilgesellschaft für eine konstruktive Demokratiestabilisierung in Bosnien und Herzegowina
Ausgehend von der These, dass der Konflikt um Zivilgesellschaft und Demokratisierung in Bosnien und Herzegowina nicht nur sozialpolitische, sondern auch ethnische Aspekte aufweist, beschäftigt sich das Forschungsvorhaben von Dr. Mensur Kustura einleitend mit der zentralen Rolle von NGOs für die Herausbildung und das Funktionieren der Zivilgesellschaft, um sich dann auf eine Analyse der aktuellen Lage der demokratischen Verhältnisse zu konzentrieren. Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, warum die Zivilgesellschaft in Bosnien bei der Umgestaltung ihres politischen und sozialen Systems bislang unterentwickelt geblieben ist und welche Probleme sich daraus für die Demokratisierung ergeben.
Leben an der Grenze: Die Verantwortung der Menschenwürde
Das Projekt von PD Dr. Antje Kapust untersucht die Relevanz der Menschenwürde im sozialphilosophischen und medizinethischen Bereich. Ausgangspunkt ist der Sachverhalt, dass die in der Menschenwürde vorausgesetzte „starke Definition“ von Subjektivität in Form einer „Normalität“ von Vernunft- und Moralfähigkeit mit Rücksicht auf die zahlreichen Formen eines „Lebens an der Grenze“ modifiziert werden muß, insofern diese Lebensformen den Subjektstatus beeinträchtigen. Die Angewiesenheit dieses Lebens auf Schutz vor Verletzungen und der Anspruch auf ein würdevolles Verhalten sollen als menschenwürderelevante Probleme geklärt werden. Zu diesem Zweck wird der Kantische Kern der Menschenwürde einer Revision unterzogen. Damit die Menschenwürde jedoch kein „leeres“ oder erstarrtes Versprechen bleibt, muss sie durch ein weiteres Prinzip ergänzt und vertieft werden. Die These besagt, dass die Menschenwürde daher durch diverse Varianten von Verantwortung ins Werk gesetzt und vollzogen wird.
Bildung in wechselseitiger Anerkennung und gesellschaftliche Verantwortung. Philosophische und erziehungswissenschaftliche Implikation eines integralen Verständnisses von Qualität in der Hochschulbildung
Die Universität als Akademie und Zentrum für wissenschaftliche Forschung kann gleichzeitig eine Institution, eine Organisation und/oder eine Gemeinschaft sein. Andererseits wird oftmals im Zusammenhang mit der universitären Ausbildung die Professionalisierung von Personen als Priorität gesehen. Dies wird so verstanden, dass die Universität die Personen für die Arbeitswelt und wissenschaftliche Entwicklung ausbildet; ich meine aber, dass die Universität im Allgemeinen notwendigerweise auch dazu berufen ist, eine Beziehung mit ihrer sozialen Realität herzustellen und auf sie dergestalt zu reagieren, die Professionellen als Menschen zu formen, die sie befähigt, ihre Gesellschaft verantwortlich zu leiten.
Philosophie als Erinnerung. Dimensionen des Gedächtnisbegriffs im Anschluss an Schellings Überlegungen zur (Wieder)Erinnerung
Viele Diskussions- und Forschungsschwerpunkte der Geistes- und Sozialwissenschaften stehen in den letzten zwei Jahrzehnten im Zeichen der Gedächtnis- und Erinnerungsforschung und den damit verbundenen Problemkonstellationen. Die großen geschichtlichen Veränderungen, die in den letzten zwei Jahrzehnten in Europa statt gefunden haben, die neuen politischen Konstellationen und die damit verbundenen Transformationen haben alte Fragen aus der Geschichte in die Gegenwart zurückgebracht; neue bzw. wieder gegründete Staaten müssen sich mit vergessenen Kapiteln der neueren europäischen Geschichte auseinandersetzen. Wie auch immer man sich den manchmal vergessenen, manchmal vernachlässigten oder zuweilen auch verdrängten Kapiteln der Geschichte zu stellen gewillt ist: stets ziehen historische Diskussionen politische Folgerungen nach sich, legitimieren sich politische Entscheidungen durch den Bezug auf ‚Fakten‘ der historischen Erinnerungen.