Meisterkurs

Philosophischer Meisterkurs mit Axel Honneth

Das Recht der Freiheit.
Grundriss einer demokratischen Sittlichkeit

Philosophischer Meisterkurs des Forschungsinstituts mit
Prof. Dr. Axel Honneth (Frankfurt/Main)

15.-19. September 2010
St. Jakobushaus Goslar

Der Meister: Axel Honneth, geb. 1949 in Essen, studierte Philosophie, Soziologie und Germanistik in Bonn, Bochum und Berlin. Nach Professuren an der Universität Konstanz und der FU Berlin ist er heute Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität und Direktor des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt/Main. Axel Honneth gilt als einer der wichtigsten Vertreter der kritischen Theorie in Fortführung der „Frankfurter Schule“; Ehrendoktorwürde der Universität Lüneburg 2008.

Buchpublikationen: Kritik der Macht. Relexionsstufen einer kritischen Gesellschaftstheorie (1985); Die zerrissene Welt des Sozialen (1989, erw. Auflage 1999); Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konlikte (1992, erw. Auflage 2003); Desintegration. Bruchstücke einer soziologischen Zeitdiagnose (1994); Das Andere der Gerechtigkeit (2000); Leiden an Unbestimmtheit. Versuch einer Reaktualisierung der Hegelschen Rechtsphilosophie (2001); Unsichtbarkeit. Stationen einer Theorie der Intersubjektivität (2003); zus. mit Nancy Fraser: Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse (2003); Verdinglichung. Eine anerkennungstheoretische Studie (2005); Pathologien der Vernunft. Geschichte und Gegenwart der Kritischen Theorie (2007); mit Beate Rössler (Hg.): Von Person zu Person. Zur Moralität persönlicher Beziehungen (2008). Axel Honneth ist Mitherausgeber der „Deutschen Zeitschrift für Philosophie“, von „WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung“ sowie der Zeitschrift „Constellations. An International Journal of Critical and Democratic Theory“. Zurzeit arbeitet er an einem Buch zum Thema des Meisterkurses.

Das Thema: In dem Kurs soll es darum gehen, in Alternative zu den heute herrschenden, liberalen Gerechtigkeitstheorien die Grundrisse einer Theorie zu entwickeln, die ihren Ausgang von den institutionellen Verkörperungen der Freiheit nimmt. Ein solches Vorgehen basiert im Anschluss an Hegel auf der Vorstellung, dass eine Theorie der Gerechtigkeit nicht als Begründung von normativen Prinzipien, sondern als eine „rekonstruktive“ Gesellschaftsanalyse angelegt wird, die die erforderlichen Normen aus den institutionell bereits akzeptierten Praktiken herleitet. Im Anschluss an diese eher methodologischen Vorüberlegungen, die auch kurze Auseinandersetzungen mit Émile Durkheim und Talcott Parsons einbeziehen werden, soll in einem ersten grundsätzlichen Schritt die These umrissen werden, dass die Moderne verschiedene Vorstellungen von individueller Freiheit hervorgebracht hat, die jeweils Niederschlag in sozialen Institutionen und entsprechenden Praktiken gefunden haben; dabei werden Vorstellungen der „negativen“, der „relexiven“ und der „sozialen“ Freiheit voneinander unterschieden, sodass das weitere Vorgehen in einer Analyse derjenigen institutionellen Komplexe bestehen wird, die jeweils soziale Verkörperungen dieser drei Freiheitsmodelle bilden. Nach der Exposition des Grundaufbaus einer solchen Sittlichkeitsanalyse, die sich methodisch an das Vorbild der Hegelschen Rechtsphilosophie hält, soll in einem zweiten grundsätzlichen Schritt dann im Einzelnen erläutert werden, wie die entsprechenden Institutionen heute ihrer normativen Struktur nach beschaffen sind; hier wird es darum gehen, von den Institutionen des Rechts und der Moral die „relationalen“ Institutionen (Parsons) abzuheben, in denen die „soziale Freiheit“ der Individuen zu ihrem Recht gelangt. Je nach dem Umfang, der für die Vorstellung des Gesamtprojekts dann noch zur Verfügung steht, sollen in einem letzten Schritt die drei institutionellen Komplexe vorgestellt werden, die sich an den gegenwärtigen Gesellschaften des Westens als „sittliche“ Verkörperungen von Freiheit verstehen lassen: die institutionelle Sphäre persönlicher Beziehungen, die institutionelle Sphäre marktvermittelten Wirtschaftshandelns und die institutionelle Sphäre der politischen Öffentlichkeit. Am Schluss sollte genügend Zeit für die Diskussion der Frage bestehen, welche Vorzüge und Nachteile gegenüber den herrschenden Gerechtigkeitstheorien mit einer solchen Theorie der demokratischen Sittlichkeit verknüpft sind.

Informationen zu Teilnahme und Anmeldungen finden im Flyer Philosophischer Meisterkurs 2010 mit Axel Honneth.