Preisfrage - Archiv

Wissenschaftliche Preisfrage 2002

"Was sind religiöse Überzeugungen?"

Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover will in seiner Arbeit aktuelle gesellschaftliche Fragen aufgreifen, die Auseinandersetzung mit ihnen anregen und zu ihrer Bearbeitung wissenschaftlich fundierte Orientierungen beitragen. Diesem Ziel entspricht die Ausschreibung eines Wissenschaftlichen Preises, die 2001 mit der Frage „Was sind religiöse Überzeugungen?“ zum ersten Mal erfolgte. Die drei prämierten Preisschriften von Dr. Klaus von Stosch, Köln (1. Preis), Dr. Thomas Schärtl, Münster (1. Preis) und Prof. DDDr. Clemens Sedmak, Salzburg (3. Preis) sind publiziert in dem Buch

Hans Joas (Hrsg.):
Was sind religiöse Überzeugungen?
Göttingen: Wallstein-Verlag, 2003, 152 Seiten, Preis: EUR 19,–

Was sind religiöse Überzeugungen?

Zum Inhalt:
Was sind religiöse Überzeugungen? Hintergrund der Wissenschaftlichen Preisfrage des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover ist nicht so sehr die Befürchtung, dass sich heute keine religiösen Überzeugungen mehr finden ließen. Vielmehr ist die Frage von Interesse, was religiöse Überzeugungen, die ja eine an die Grundfesten der Identität rührende Dimension besitzen, charakterisiert und wie sich religiöse Überzeugungen von anderen Überzeugungen, vornehmlich aber von den Erkenntnissen autonomer Vernunft, unterscheiden.

Besonderes Augenmerk sollte dabei auf die folgenden Aspekte gerichtet werden: ob sich durch bestimmte Kriterien ‚falsche’ religiöse Überzeugungen grundsätzlich von anderen abgrenzen lassen; ob religiöse Überzeugungen grundsätzlich nur individuelle Überzeugungen sind und schließlich, ob es etwas gibt, was den verschiedenen religiösen Überzeugungen gemeinsam ist.

Die Autoren haben die Frage unterschiedlich beantwortet. Allen drei Autoren ist aber gemeinsam, dass sie sich mit der pluralistischen Religionstheologie auseinandersetzen, d. h. mit der Annahme, dass sich die verschiedenen Religionen gewissermaßen gleich weit entfernt befinden von den letzten Wirklichkeiten. Sie meinen, dass die Religionen trotzdem nicht darauf verzichten können, einen Wahrheitsanspruch zu erheben. Deshalb können sie auch Kriterien für eine Kritik religiöser Überzeugungen angeben. Außerdem eröffnen sie ein weites Feld für die genauere Analyse der sprachlichen Formen, in denen das interreligiöse Gespräch sich bewegen kann, und der Chancen für eine Verständigung, die nicht zur blutleeren Intellektualisierung führt, sondern die bindende Kraft von Glaubenstraditionen bewahrt, sie aber der Anregung zur Erneuerung des Eigenen durch Begegnung mit dem Anderen aussetzt.


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