Preisfrage - Archiv
Wissenschaftliche Preisfrage 2003
"Welt ohne Tod — Hoffnung oder Schreckensvision?"
2003 wurde zum zweiten Mal der Wissenschaftliche Preis des Forschungsinstituts vergeben. Preisträger waren Dr. Héctor Wittwer, Berlin (1. Preis); Dr. Gunnar Hindrichs, Heidelberg (2. Preis) und Dr. Dirk Stederoth, Kassel (3. Preis). Die Preisschriften sind publiziert in dem Buch
Hans-Joachim Höhn (Hrsg.):
Welt ohne Tod — Hoffnung oder Schreckensvision?
Göttingen: Wallstein Verlag, 2004, 176 Seiten, Preis: EUR 19,–

Zum Inhalt:
Den Tod zu überwinden gehört zu den ältesten Hoffnungen der Menschheit. Literarische Werke beschäftigen sich mit der Vision einer „Welt ohne Tod“. Die Heilsverheißungen der meisten Religionen beinhalten den Gedanken einer Überwindung des Todes. Zugleich ist es aber Teil menschlicher Lebensweisheit, dass die Grenze, die der Tod dem Leben setzt, dem menschlichen Dasein erst seinen Ernst und jedem Augenblick des Lebens einen besonderen Wert gibt. Auf Grund biotechnischer und medizinischer Fortschritte, insbesondere durch die Gentechnik, erscheint heute am Horizont die Möglichkeit einer technischen Abschaffung des Todes, zumindest einer erheblichen Lebensverlängerung. Aber wäre dies auch wünschenswert? Was würde eine technische Abschaffung des Todes für das Leben des Einzelnen bedeuten und welche Folgen hätte sie für die Gesellschaft? Welchen Sinn hätte ein Leben ohne Ende? Wie steht es in diesem Zusammenhang mit der Zeugung von Nachkommen?
Die Preisträger der Wissenschaftlichen Frage 2003 des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover sind äußerst skeptisch gegenüber der Vorstellung einer Welt ohne Tod. Héctor Wittwer beurteilt die Frage aus utilitaristischer Sicht und betont, dass durch eine Welt ohne Tod sowohl Gutes entstehen könnte als auch Schlechtes, dass aber die Nebenwirkungen nicht absehbar wären. Nach Gunnar Hindrichs liefe die Abschaffung des Todes auf die Verdinglichung des Menschen und den Verlust seines Subjektseins hinaus, weil der Tod und die Unverfügbarkeit über das eigene Leben konstitutiv zu diesem Subjektsein gehört. Dirk Stederoth vertritt die These, dass die Bantwortung der Preisfrage ganz davon abhängt, wie wir unser gegenwärtiges Leben beurteilen. Da dieses Urteil nicht positiv ausfallen muss, bleibt die Hoffnung auf eine Welt ohne Tod gebunden an die Hoffnung an ein wahrhaft menschliches Miteinander.