Preisfrage
Ausschreibung des Wissenschaftlichen Preises 2013
Was ist und wie entsteht demokratische Identität?
"Wir sind das Volk!" – "Wir sind ein Volk!". Diese Ausrufe der Revolutionsjahre 1989/90 hallen bis heute nach. Sie markieren die Spannung demokratischer Identität: das Hin- und Hergerissensein zwischen dem Ruf nach Partizipation und dem Drang nach Gemeinschaft.
In der Gegenwart fühlen sich mehr und mehr Menschen von der Politik und Gesellschaft ausgeschlossen. Verschärft wird dieses Gefühl von dem Zuständigkeitsverlust nationaler Staaten durch Hochzonung von Aufgaben auf die Europäische Union und durch transnationale Akteure. Welches ist die richtige Ebene der demokratischen (direkten oder repräsentativen) Entscheidungen (z. B. Stuttgarter Hauptbahnhof)? Welche Vorstellungen von demokratischer Identität drücken sich in den unterschiedlichen Ideen des demokratischen Zusammenlebens aus? Wie stellt sich angesichts dieser Verschiebungen das Zusammenspiel der Verbände (Vereine, Kommunen, Länder, Bund, Europäische Union) auf den verschiedenen Handlungs- und Systemebenen dar? Dem repräsentativen Verständnis von Demokratie werden Modelle partizipativer und direkter Demokratie entgegengesetzt, etwa die „digitale Demokratie“ (liquid democracy). Wird aber durch die Verlagerung von Entscheidungen auf höhere Ebenen und durch komplexere Aufgabenerfüllungen nicht eher mehr Repräsentation verlangt? Demgemäß bestünde die Aufgabe nicht darin, sich von dem repräsentativen Modell zu entfernen, sondern nach seiner besseren Ausgestaltung zu suchen, um demokratische Identität auf den verschiedenen Handlungsebenen zu verwirklichen.
„Was ist und wie entsteht demokratische Identität?“ – die Preisfrage 2013 zielt nicht nur auf Neujustierungen politischer Identität, sondern auch darauf, Demokratie als eine Lebensform zu verstehen. Dabei geht es immer auch um die Fragen nach Überzeugungen, die für eine demokratische Identität leitend sind, und nach den Bedingungen der Möglichkeit demokratischer Identität, nach biographischen, sozialen und politischen Prozessen, die die Teilhabe an der Gestaltung des Zusammenlebens möglich machen.
Für die Beantwortung dieser Preisfrage vergibt das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover einen
Internationalen
Wissenschaftlichen Preis
in Höhe von 6.000 Euro
Das Preisgeld beträgt nach erstem bis drittem Preis gestaffelt 3.000, 2.000 und 1.000 Euro.
Es können prämiert werden:
- bislang unveröffentlichte philosophische Essays von maximal 40 000 Zeichen (incl. Leerzeichen)
- die durch innovative Ideen und ungewohnte Perspektiven die Beantwortung der gestellten Frage weiterbringen,
- die sich auf der Höhe der philosophischen Diskussion befinden, ohne diese nochmals zu referieren,
- deren wissenschaftlicher Apparat nicht mehr als 20 Prozent des Textes einnimmt und
- die in den Sprachen Deutsch oder Englisch verfasst sind.
Den Essays ist ein Abstract (max. 1200 Zeichen) beizufügen.
Die Übergabe der Preise wird am 07. September 2013 im Rahmen eines akademischen Festaktes erfolgen.
Die Preisschriften werden auf Kosten des Forschungsinstituts veröffentlicht. Die Rechte für die prämierten Preisschriften gehen mit der Veröffentlichung an den Wallstein-Verlag Göttingen über.
Einsendefrist für die Preisschrift ist der 15. März 2013 (Poststempel). Die Preisschrift darf nur als Computerausdruck (mit der Datei auf CD) per Post eingereicht werden (nicht per E-Mail). Außerdem ist eine unterschriebene Erklärung erforderlich, dass der/die Einsender/in die Arbeit selbst verfasst hat und dass der Text noch nicht veröffentlicht ist.
Da die Preisschriften anonym begutachtet werden, sind alle Angaben zum/zur Autor/in auf einem separaten Blatt anzugeben und innerhalb der Arbeit keine Verweise auf den/die Verfasser/in der Preisschrift (Kopf-/Fußzeile o.ä.) aufzunehmen. Auch darf die Arbeit weder geheftet noch gebunden sein.
Die Jury zur Auswahl der Preisträger/innen wird gebildet vom Vorstand der Stiftung Forschungsinstitut für Philosophie Hannover und eventuell weiteren Personen, die vom Vorstand für diese Aufgabe kooptiert werden.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Anschrift:
Forschungsinstitut für Philosophie Hannover
Frau Anna Maria Hauk M.A.
Gerberstraße 26
30169 Hannover
Tel.: (05 11) 1 64 09-10
Fax: (05 11) 1 64 09-40
E-Mail: hauk@fiph.de