Symposien und Tagungen - Archiv

Sozialethik als politische Kraft. Kolloquium vom 22.-23.03.2007 in Berlin-Schwanenwerder

Kirchliche Stellungnahmen 10 Jahre nach dem Gemeinsamen Wort
der Kirchen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage

Kolloquium der Evangelischen Akademie zu Berlin, der Katholischen Akademie in Berlin und der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft sozialethischer Institute vom 22.-23.03.2007 in der Evangelischen Bildungsstätte auf Berlin-Schwanenwerder.

Vor zehn Jahren verfassten die evangelische und die katholische Kirche ihr Gemeinsames Wort „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ – ein Meilenstein unter den sozialpolitischen Stellungnahmen der Kirchen. Die Beteiligung an diesem Prozess zog weite Kreise in der Gesellschaft, die ökumenische Zusammenarbeit gab dem Wort besonderes Gewicht. Doch was bleibt?

In den Jahren seit der Veröffentlichung haben beide Kirchen weitere sozialethische Stellungnahmen, Erklärungen zur Sozialpolitik und Denkschriften verfasst. Dies geschah vor dem Hintergrund erheblicher Veränderungen der Sozialstruktur und der politischen Kultur der Bundesrepublik. Der schmerzhafte Abschied vom sozialpolitischen Bezugsrahmen der „Bonner Republik“ und des „Rheinischen Kapitalismus“ schlug und schlägt sich auch in einigen kirchlichen Worten nieder. Deren sozialpolitische Stoßrichtung ist nicht selten innerkirchlich umstritten. An Begriffen wie „Eigenverantwortung“, „Beteiligung“ oder „Subsidiarität“ entstehen Dissense darüber, auf welchem Wege Gerechtigkeit heute anzustreben ist.

Auf welche sozialen Lagen, wirtschaftlichen Verhältnisse und politischen Trends sollen die Kirchen reagieren? Welche sozialethische Orientierungshilfen haben sie einer Gesellschaft zu bieten, deren kapitalistische Wirtschaftsstruktur im Umbruch ist? Welche Auslegung zentraler sozialethischer Konzepte ist heute erforderlich?

Das Kolloquium wird diese inhaltliche Diskussion mit der Frage nach der Wirksamkeit und den Entstehungsprozessen kirchlicher sozialethischer Worte verknüpfen: Wie kann die Kirche ihren einschlägigen Veröffentlichungen innerhalb der Medienlandschaft nachhaltige Aufmerksamkeit sichern? Welche Akteure werden an den Prozessen der Konsultation und Ausarbeitung beteiligt, welche Adressaten sind dabei angezielt? Was heißt es heute für die Kirche, eine Stimme von Gewicht zu sein oder zu bleiben?

Dazu laden herzlich ein:

Dr. Michael Hartmann
Dr. Maria-Luise Schneider
Prof. Dr. Bernhard Emunds
Dr. Jürgen Rinderspacher

Das Kolloquium ist eine Kooperationstagung der Evangelischen Akademie zu Berlin, der Katholischen Akademie in Berlin und der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft sozialethischer Institute. Dieser Arbeitsgemeinschaft gehören das Institut für Christliche Sozialwissenschaften, das Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften (beide Münster/Westf.), das Forschungsinstitut für Philosophie und das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD (beide Hannover), das Institut für Theologie und Sozialethik (Darmstadt) und das Oswald von Nell-Breuning-Institut (Frankfurt/Main) an.

Programm

Donnerstag, 22. März 2007

Ab 12.30 Uhr Anmeldung und Imbiss

13.45 Uhr Begrüßung

I. Zehn Jahre danach: Rückblick und Bewertung

14.00 Uhr Warum war das Sozialwort so erfolgreich
oder Wer hat das Sozialwort totgelobt?

Kurzvorträge:
Prof. Dr. Klaus Tanner, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Mitglied der Kammer für Öffentliche Verantwortung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

Prof. Dr. Bernhard Emunds, Frankfurt am Main

16.00 Uhr Kaffeepause

II. Inhalte und Anliegen der kirchlichen Sozialverkündigung heute

16.30 Uhr Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit – ein Jahrzehnt danach.
Muss die Sozialethik das Soziale neu denken?

Vortrag:
Prof. Dr. Lutz Leisering Ph.D., Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie (angefr.)

Kommentar:
Prof. Dr. Michael Schramm, Lehrstuhl für Katholische Theologie, Universität Hohenheim

18.30 Uhr Abendessen

19:30 Uhr Vorfahrt für Eigenverantwortung: Subsidiarität als Ordnungsprinzip für eine zukunftsfähige Gesellschaft?

Kurzvorträge:
Prof. Dr. Hans-Richard Reuter, Münster

Dr. Hermann-Josef Große Kracht, Münster

21:30 Uhr Beisammensein

Freitag, 23. März 2007

8.00 Uhr Morgenandacht

8:30 Uhr Frühstück

III. Ansprüche und Formen der Sozialverkündigung heute

9:30 Uhr Konsultationsformen und öffentliche Wirkung kirchlicher Sozialworte seit dem „Gemeinsamen Wort“

Roundtable mit:
Prof. Dr. Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, Hannover; Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Berlin (angefr.); Arnd Brummer, Chefredakteur Chrismon; Matthias Drobinski, Süddeutsche Zeitung
Moderation: Dr. Michael Hartmann

11:00 Uhr Kaffeepause

11:30 Uhr Welchen Einfluss sollen die Kirchen auf die Politik nehmen?

Roundtable mit:
Pater Dr. Hans Langendörfer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn; Prälat Dr. Stephan Reimers, Bevollmächtigter des Rates der EKD; Prof. Dr. Gerhard Kruip, Hannover/Mainz, Hermann Gröhe MdB (angefr.)
Moderation: Dr. Maria-Luise Schneider

13.00 Uhr Mittagessen

Ende der Tagung, Abreise


Tagungsort
Evangelische Bildungsstätte auf Schwanenwerder
Inselstraße 27-28, 14129 Berlin (Nikolassee)
Telefon (030) 847 14-202, Fax (030) 803 69 61

Um Anmeldung wird bis zum 15.03.2007 gebeten.

Hinweise zur Anmeldung und weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Evangelischen Akademie zu Berlin.


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